Artikel erschien am 29. April 2013 bei Westnetz.ch

Claudia Sontheim, die neue Geschäftsleiterin des Berufsverbandes für Filmtechniker und Schauspieler

Der SSFV ist der Arbeitnehmerverband der Filmbranche. Seit April schmeisst Claudia Sontheim den Laden an der Josefstrasse. Über das Manko der Filmschulen, neue Filmberufe und andere Baustellen im Teil vier der Reihe „Cinema Cinque – Film im Foifi“

Claudia Sontheim, was tut der SSFV?

Der SSFV ist ein Arbeitnehmerverband der technischen Filmberufe, sowie der freischaffenden Filmschauspieler. Wir engagieren uns zusammen mit den Partnerverbänden der Produzenten, Autoren und Regisseuren für faire Arbeitsbedingungen. Wir kontrollieren die empfohlenen Richtlöhne. Kernaufgaben sind Mitgliederverwaltung, sowie die Beratung.

Was sind aktuelle Baustellen?

Es sind immer die gleichen Themen: Arbeitsrecht, Richtlöhne, Arbeitsbedingungen sowie die soziale Sicherheit. Ein aktuelles Thema ist der wachsende Konkurrenzdruck aus dem Ausland. Produktionen sollen billiger werden, die Produzenten geraten unter Druck. Diesbezüglich haben gesamteuropäische Entwicklungen in Wirtschaft und Filmförderung eine Auswirkung auf die Schweizer Filmindustrie.

Sie sind keine Gewerkschaft?

Nein, wir sind als Verein aufgestellt. Mit Generalversammlung, Vorstand und Präsidium sowie Geschäftsleitung. Das ist ein grundsätzlicher Unterschied zu Gewerkschaften. Es gibt keine Diskussion über Gesamtarbeitsverträge. Unsere Löhne sind Richtlöhne, unsere Verträge basieren auf Empfehlungen, die wir aber nichtsdestotrotz immer wieder mit den Produzentenverbänden aushandeln. Dazu gibt es die sogenannt paritätische Kommission. Diese kommt periodisch zusammen, um neue Tariflöhne und Richtgagen für Schauspieler auszuhandeln.

Wie sieht das operativ aus?

Die Kommission ist ein Überwachungsinstrument für uns, um den Produzenten auf die Finger zu klopfen, wenn etwas nicht im Sinn der AAB läuft. Manchmal muss man aber auch gewisse Klauseln im Vertrag anpassen, wenn sich die Situation verändert. Die Verbände sind dann mit dem Logo auf dem Vertrag, dass eine Anstellung dieser Vertragsbedingungen unserer Empfehlung berücksichtigen. Das ist wichtig, damit wir eine Referenz haben.

Woher bezieht der Verein sein Geld?

Mitgliederbeiträge machen den grössten Teil der Finanzierung aus. Dann unterstützt uns der Bund. Wir sind auch im neuen System der KUOR – das sind die Leistungsvereinbarungen an Organisationen für professionelle Kulturschaffende, die neu über drei Jahre laufen. Der SSFV wurde aufgenommen, was sehr gut ist. Weitere Gelder kommen von der Gesellschaft für Leistungsschutzrecht Swissperform, sowie der Vorsorgestiftungen für Film und Medienberufe , sowie der Vereinigung professioneller Sprecher.

Am Anfang war der Vertrag. Wie ist dieser Verband entstanden?

1974 war die Gründung. Im kommenden Jahr feiert der SSFV sein vierzigjähriges Jubiläum. Der Ursprung der Verbandstätigkeit war der Arbeitsvertrag der Bildtechniker. In den Siebzigerjahren wurde das Schweizer Kino professionalisiert. Es kam ja aus den „cinema copain“ Strukturen.

Bezahlten denn damals Produktionen keine Sozialleistungen ihrer Arbeitnehmer?

Das weiss ich nicht genau. Die zweite Säule gab es auf jeden Fall damals noch nicht.

Und wie ging das vor sich?

Im Zuge der Entwicklung des Filmfördersystems enstand langsam das neue Schweizer Kino. Und das formierte sich damals in Kollektiven; die Bildtechniker dann eben im Filmtechniker-kollektiv. Diese Arbeitnehmergruppierung setzte sich für ihre Interessen bei Dreharbeiten ein: Anstellungsbedingungen, Bezahlung, Überstunden eindämmen, sowie die soziale Absicherung.

Und wie kamen Sie zu diesem verantwortungsvollen Posten?

Zufällig. Ich habe in der Produktion angefangen… Stimmt gar nicht. Ich bin Mitbegründerin des AJZ-Kinos, später Houdini und Sofakino Xenix. Nach einem kleinen Ausflug in das Übersetzergewerbe bin ich dann in die Filmproduktion eingestiegen. Zuerst als Aufnahmeleiterin dann als Produktionsleiterin. In Deutschland hatte ich einige Jahre eine eigene Filmproduktion. Ich habe zwei Filme produziert, zwei Filme koproduziert. Danach ging ich nach Afrika, um ein Kulturzentrum aufzubauen. 2007 kam ich zurück in die Schweiz und stieg hier wieder in die Produktion ein als Produktionsleiterin.

Warum nicht als Produzentin?

Nachdem ich weg war hatte ich den Bezug als Produzentin hier etwas verloren. Da war zwischenzeitlich eine neue Generation von Produzenten herangewachsen, die waren alle zehn Jahre jünger als ich. Das war die Szene der Filmschulen, die ihre eigenen Leute nachgezogen hatte. Ich bildete mich dann zur Kulturmanagerin weiter und begann hier beim SSFV als stellvertretende Geschäftsleiterin. Seit April bin ich jetzt ganz frisch effektive Geschäftsleiterin. Ich kannte den Verband eben bisher nur als Mitglied. Aber ich brachte dadurch, dass ich aus der Produktion komme, schon sehr viel Wissen mit.

Was muss man beherrschen in dieser Funktion?

Arbeitsrecht und Vertragsrecht. Man muss Lohnverhandlungen führen können. Und ein grosser Vorteil ist, wenn man die Mitglieder kennt.

Verdienen Sie gut?

Der Lohn der Geschäftsleitung soll im Verhältnis stehen zum Verdienst der Mitglieder. Die Arbeit ist daher etwas schlechter bezahlt als in anderen Geschäftsstellen, vor allem in der Privatwirtschaft.

Das Schweizer Fernsehen hat im neuen Pacte de l’Audiovisuel die Beitragssumme für Fernseh-produktionen um drei Millionen Franken erhöht. Wie wirkt sich das auf ihre Mitglieder aus?

Das Deutschschweizer Fernsehen hat seine Koproduktionsbeiträge an Kinokoproduktionen gekürzt, und zusätzlich Gelder für ihre transmedialen Projekte auf die Seite zu legen. Das ist ungünstig für die Filmszene. Und auch sonst ist das Können in der Schweiz diesbezüglich noch zu wenig vorhanden, und so führt das zu einer komischen Stimmung. Sonst kann ich noch nicht soviel dazu sagen. Der Pacte de l’Audiovisuel ist im Zusammenhang mit der Passage Success d’Antennes immer noch eine Baustelle. Da muss man abwarten, wie sich das entwickelt.

Unterscheiden sich die Fernsehanstalten der verschiedenen Sprachregionen der Schweiz in ihrer Filmproduktion?

Da besteht ein grosser Unterschied zwischen der Deutschschweiz und der Romandie und dem Tessin. In der französischen und italienischen Schweiz läuft viel mehr über Koproduktionen mit Frankreich respektive Italien. In der Deutschschweiz läuft im Fernsehbereich wie im Kinobereich traditionell weniger über Koproduktionen mit dem Ausland. Das kommt jetzt so langsam auf mit Deutschland und Österreich. Aus dem einfachen Grund, dass Filme schwieriger zu finanzieren geworden sind aus reinen Schweizer Mitteln.

Das Schweizer Fernsehen sollte sich mehr für die Filmproduktion engagieren fordern viele.

Betreffend Fernsehfilm und Serien ist die Westschweiz viel aktiver als die Deutschschweiz. Dort ist auch nicht viel Geld vorhanden, aber es wird wenigstens produziert, was für junge Produzenten interessant ist. Die Deutschschweiz ist diesbezüglich konservativ und investiert mehr in Eigenproduktionen. Die eher etwas mutlos sind.

Wie haben sich die Richtlöhne in den vergangenen Jahren verändert?

Über viele Jahre sind keine Anpassungen erfolgt. Die ersten umfangreichen Anpassungen waren 2002. 2007 erfolgte dann mit grossem Widerstand vom Schweizer Fernsehen die zweite Anpassung.

Wieso der Widerstand vom Schweizer Fernsehen?

Als sie merkten, dass dadurch die Produktionen teurer werden, wollten sie das Abkommen lange nicht unterschreiben und haben somit alle Produktionen gezwungen, unter den alten Tarifen zu arbeiten. 2009 wurden dann die neuen allgemeinen Arbeits-bedingungen auch vom Schweizer Fernsehen akzeptiert. Seit 2009 wurden die Richtlöhne nicht mehr verändert.

Wie tief ist der Röschtigraben in der Schweizer Filmlandschaft?

Eine verbesserte Vernetzung ist tatsächlich ein grosses Thema beim SSFV. Wir sind sehr aktiv in der Romandie, um Mitglieder zu rekrutieren. Dadurch dass ich einige Jahre in der Romandie gearbeitet habe, kenne ich die dortigen Verhältnisse und Probleme und spreche relativ gut französisch. In der Romandie muss man aktiv Networking betreiben und die Szene davon überzeugen, dass der Verband einen Sinn hat. In ihren Augen ist das einfach eine Deutschschweizer Angelegenheit.

Wie entwickeln sich ihre Mitgliederzahlen?

Seit dem Filmschulen-Boom haben wir einen grossen Zuwachs.

Und die digitale Revolution?

Lohntechnisch hat das keinen Einfluss, aber durch die Digitalisierung sind bei den Bildtechnikern neue Berufsgruppen hervorgegangen. Wie DIT – der Digital Image Technician. Und Spezialeffekte haben einen Einfluss auf den Beruf des Kameramannes oder der Kamerafrau haben. Die Crew wurde grösser und die Rolle des DOP, also der Chefkamera ist sich am verändern.

Ist es demnach ein Irrtum, dass die Filmproduktion durch die Digitalisierung kostengünstiger geworden ist?

Das ist ein Irrtum, wie man schnell festgestellt hat. Wenn man den ganzen Verlauf von der Produktion bis zur Archivierung mit einbezieht. Die Archivierung der Filme wurde viel teurer, weil die Haltbarkeit der digitalen Datenträger sehr begrenzt ist. Man muss diese periodisch neu aufbereiten, was letztendlich viel kostspieliger und aufwendiger ist als die 35 mm Film. Das Drehmaterial selbst ist natürlich billiger.

Und wie steht es mit der Fehleranfälligkeit während der Dreharbeiten und der Postproduktion?

Die ist auch grösser. Die gesamte Produktion ist technisch gesehen facettenreicher und schwieriger zu handhaben. Um sie zu kontrollieren ist viel mehr technisches Detailwissen gefordert. Die neuen Berufsgruppen sind an der Schnittstelle zwischen Dreh und Postproduktion.

Gewisse Berufe sind von der Umstellung auf digitale Formate besonders betroffen. Nehmen wir den Beruf des Script /Continuity. Das Script hält produktionsrelevante und technische Informationen fest. Continuity überwacht die Anschlüsse. Viele glauben ja, dass der Beruf mit den digitalen Möglichkeiten der Bildkorrektur überflüssig geworden sei.

Das ist ein ganz grosser Witz. Das Script ist das Gedächtnis des gesamten Films, unabhängig vom Drehformat. Anschlüsse müssen auch mit digitalen Bearbeitungsmöglichkeiten überprüft werden. Der Job des Script ist nicht nur die Buchhaltung des Materialverbrauchs zu führen, sondern ist eigentlich eine dramaturgische Unterstützung.

Gibt es diesbezüglich einen Unterschied zwischen der Deutschschweiz in der Romandie?

Ja. In Frankreich ist der Script die dramaturgische Assistenz der Regie. In Deutschland macht das die Ateliersekretärin. Das wirkt sich auf das entsprechende Berufsprofil in der Romandie und der Deutschschweiz aus. Wir haben in dieser Berufsgruppe ein Nachwuchsproblem. Script ist einfach zu wenig attraktiv. Der Beruf wird zu wenig wertgeschätzt.

Reden wir über Koproduktionen. Besteht die Gefahr von Lohndumping durch verstärkte Koproduktionen mit Deutschland?

In Deutschland sind nicht alle so schlecht bezahlt. Vielleicht trifft das für gewisse Produktionen in Berlin zu, aber es ist nicht die Norm. Der grosse Unterschied in Deutschland: Arbeitnehmer-verbände auf Filmberufen sind viel weniger engagiert, ihre Interessen zu vertreten. Im Gegensatz zum SSFV, wir sind sehr stark engagiert.

Aber die Richtlöhne sind in der Schweiz höher als in Deutschland?

Ja. Deutsche kommen deshalb gerne in die Schweiz arbeiten, und es gab auch Situationen, wo die Schweizer etwas zurücktreten mussten. Grundsätzlich waren aber Koproduktionen zwar zu Gunsten der Ausländer, aber nicht zu Ungunsten der Schweizer.

Es ist aber für einen Schweizer Produzenten verlockend Deutsche anzustellen.

Die Tendenz hat sich schon verbreitet, dass Schweizer Produzenten Deutsche anstellen, einfach weil man sich kennen gelernt hat und sich gut versteht. Und die Deutschen bereit sind zu anderen Konditionen zu arbeiten als die Schweizer. Aber es ist ein grosser Fehler, Leute innerhalb einer Produktion zu unterschiedlichen Bedingungen anzustellen. Das spricht sich sofort rum.

Führen die verschiedenen Jobprofile von in- und ausländischer Regieassistenz oder Aufnahmeleiter auf einem internationalen Dreh zu Komplikationen?

Es gibt die Scharnierstelle Regie Assistenz und Aufnahmeleiter, da knorzt es noch ein wenig. Weil es in der Schweiz unterschiedliche Traditionen des 1. Regie Assistenz gibt: In der Romandie ist es eher die persönliche Assistenz des Regisseurs. Nach dem angelsächsischen System, das wir in der Deutschschweiz übernommen haben, ist der AD der Boss auf dem Set.

Was tut der SSFV, damit sich das verbessert?

Wir haben alle unsere Berufsprofile neu bezeichnet, inklusive der neuen Gruppen. Man kann das alles auf unserer Webseite downloaden. Das lief noch unter meiner Vorgängerin Karin Vollrath. Eine klare Kommunikation nach aussen ist ein wichtiger Bestandteil der Professionalisierung der Schweizer Filmindustrie. Wenn ein deutscher Produktionsleiter unsere Jobprofile liest, ist alles klar.

Können denn Schweizer Techniker mit dem internationalen Niveau mithalten?

Mir wird gesagt ja. Wenn ein Filmtechniker im Ausland arbeiten kann, ist das für ihn super. Für ihren jeweiligen Beruf sind Koproduktionen auf jeden Fall ein Plus. Das Problem ist mehr die mangelnde Praxis in der Schweiz, weil hier tendenziell sehr viel gleichzeitig gedreht wird und dann länger wieder nichts. So kommt zwar der Nachwuchs zum Zug, weil die Etablierten alle ausgebucht sind, aber die Routiniers kommen zu wenig zum Drehen. Das ist dann schwierig, wenn die Kontinuität fehlt.

Wie garantiert der SSFV die Qualität ihrer Mitglieder?

Jede Berufsgruppe hat einen Delegierten, die sind gewählt und werden jährlich bestätigt. Sie sind verantwortlich, die Aufnahmegesuche zu prüfen. Es gibt bei uns ein Attribut „in Ausbildung“ für Leute, die noch nicht so viel Dreherfahrung mitbringen, aber einiges geleistet haben. Studenten einer Filmschule bezahlen einen reduzierten Mitgliederbeitrag.

Wie kamen die Schauspieler in einen Filmtechniker Verband?

Das sind freischaffende Schauspieler, die sowohl im Theater wie auch im Film und in der Werbung arbeiten. Lange waren sie im Bühnenkünstlerverband organisiert. Das war vor zwölf Jahren.

Und dann kamen sie zu Ihnen?

Am Anfang war das schon nicht so einfach. Die Techniker hatten leicht befremdet reagiert. Aber inzwischen gibt es da gute Synergien, weil sie ja dieselben Themen beschäftigt. Es kam um das Jahr 2000 zu einem Konflikt am Theater Neumarkt. Einige Schauspieler fühlten sich benachteiligt. Stefan Gubser, Gilles Tschudi, Mathias Gnädinger und Wolfi Berger, die auch im Film arbeiteten. Sie forderten eine bessere Vertretung im Bühnenkünstlerverband. Dieser sagte aber nein und es kam zum Eclat.

Wie ist es denn aktuell um die Löhne der Schauspieler bestellt?

Bei den Schauspielern sind in ganz Europa, auch in Deutschland die Gagen im Keller. So ist es für die Schweizer Schauspieler ein Problem ihre Richtgagen zu halten. Es gab aber auch hier einen Generationenwechsel. Die Jungen sind „tifiger“, die sind stark dabei, sich zu organisieren, um verbindliche Musterverträge zu etablieren. Da ist heftig was los, was Richtgagen, Rechteabgeltung betrifft.

Und wie können sie ihre Gagen halten im internationalen Druck?

Es gibt schon Drucksituationen in Koproduktionen mit deutschen TV Stationen, die Rollen auch mit Deutschen zu besetzen. Für solche Produktionen gibt es diese Übernahmetendenz. Die Stationen müssen eben ihre Quotenvorgaben erfüllen. Und dann setzen deutsche TV Sender auf eigene Darsteller. Aber es gibt auch den umgekehrten Fall: Der Tatort wird ja immer zweisprachig ausgestrahlt.

Wie kann man da als Verband regulierend einwirken?

Mit den Produzenten und Fernsehanstalten reden.

Ihr arbeitet sehr eng mit Focal zusammen, die Stiftung für Weiterbildung in Film und Audiovision. Gibt es tendenziell mehr filmischen Nachwuchs in den letzten Jahren?

Ja, gemäss Focal und auch meiner Erfahrung schon. Vorallem in der Deutschschweiz.

Die meisten Jungen gehen an eine Filmschule mit dem Ziel, möglichst eigene Stoffe zu verfilmen. Erziehen die Filmschulen Snobs?

Fakt ist, dass viele Leute die Schule abschliessen und dann denken, sie wären dadurch bereits qualifiziert, um voll ins Berufsleben einzusteigen. Das stimmt aber oft nicht. Schulen bilden nicht entsprechend aus. Absolventen müssen erst als Stagiaire praktische Erfahrung sammeln.

Und alle wollen Regie machen?

Das ist in der Tat ein Problem. Da muss man etwas unternehmen. Man muss die Studierenden darüber aufklären, wie es wirklich läuft in der Praxis. Entweder durch Praktika während dem Studium oder man spezialisiert die Studiengänge von Anfang an, wie es im Ausland der Fall ist.

Und das würde die Kontinuität der Schweizer Filmproduktion verbessern?

Ja. Nicht mehr dieses Allrounder System. Wir sind ein kleines Land, und im Verhältnis dazu werden jährlich zu viele Leute ausgebildet und dann jährlich ausgespuckt und müssen ins System integriert werden. Doch da wird zu wenig produziert.

Und so wursteln sich die meisten mit Nebenjobs durch?

Das ist ein Phänomen, wie es nur in der Schweiz möglich ist. Dass man sein Einkommen mit verschiedenen Tätigkeiten zusammenstückeln kann. So entsteht aber auch nicht der nötige Druck, sich für etwas zu entscheiden.

Was konkret tut der SSFV, dass ein Umdenken in den Filmschulen stattfindet?

Wir sind dabei, an den Schulen verbindliche Infoveranstaltung zu etablieren. Bisher gingen die Verbände sich auf freiwilliger Basis vorstellen, aber wir wollen das im Curriculum festlegen, dass sich die Schüler mit der Berufspraxis auseinandersetzen müssen. Wie sehen die Realitäten da draussen effektiv aus? Aber im Moment ist das die Aufgabe der Lehrer. Man müsste da ganz am Anfang des Studiums eingreifen. Unser Ziel ist, an die Jungen Leute heranzutreten, bevor sie überhaupt den Beruf wählen.

Blicken Sie zuversichtlich in die Zukunft des Filmlandes Schweiz?

Ja, auf jeden Fall. In den letzten Jahren hat sich vieles getan, der Generationenwechsel hat stattgefunden und die Schweiz kann durchaus mit den internationalen Entwicklungen in der Filmbrache mithalten, sowohl technisch wie auch inhaltlich. Die Zukunft wird auf jeden Fall spannend.