#ZurichFilmFestival

Hollywood ist wieder da!

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Artikel erschien am 24.9.2015 auf Westnetz.

Das alljährliche Glamour Karussell beginnt sich heute in Zürich erneut zu drehen. Es ist mal wieder Zurich Film Festival, und ruhmesträchtige Namen holen Ehrenpreise ab. Genau vor einem Jahr suchten die Videophilosophen im PR-Getöse rund im den Filmevent nach authentischen Begegnungen.Der Geist des grossen Philosophen Theodor Adorno hielt den dabei entstandenen Film ein Jahr unter Verschluss, nun hat er ihn aber endlich freigegeben. Same same but different: „The Horror of Our Film Is That We Are Worried About the Wrong Things“ ist auch ein Jahr apäter noch oder wieder aktuell.

Alle Jahre wieder: Zürich ist gespickt mit Goldenen Augen in allen Grössen, auf Fahnen und Bannern, die Brücken und Gehwege in der Altstadt lückenlos säumen: Es ist Zeit für das Zurich Film Festival und die gehobene Gilde aus Hollywood, die hier „Hi“ sagt.

Rene Russo

JENSEITS DER SCHABLONEN

Im vergangenen Jahr, anlässlich der 10. Jubiläumsausgabe waren die Videophilosphen vor Ort auf der Suche nach unvorhersehbaren Momenten inmitten der durchchoreografierten Pose. Inspiriert von der Philosophie eines Theodor Adorno, der in der ökonomisierten Kulturindustrie um die Autonomie der Kunst bangt, haben sie diese auf den Prüfstand gestellt. Gefunden haben sie spontane Stars, tiefgründige Filmkunst inmitten des überkandidelten Schaulaufens der Kultur High Society. Ihr Fazit: Wenn man wagt, Fragen jenseits der Schablonen des Unterhaltungsjournalismus zu stellen, entsteht da und dort ein Moment von Austausch. Adornos Geist hielt das Werk ein Jahr unter Verschluss, nun hat er es endlich freigegeben.

Videophilosophen

„The Horror Of Our Film Is That We Are Worried About the Wrong Things“ ist jetzt online zu sehen, nachdem er diesen Frühling einmalig im Zürcher Art Doc gezeigt wurde. Inzwischen sind die Macher von „Loreak“ für den Oskar für den besten nicht englisch sprachigen Film nominiert, und anstatt der Antihelden Liam Neesson und Peter Fonda stellen sich heuer Arnold Schwarzenegger oder Chrisoph Waltz auf den grünen Teppich. Frauen wie die wunderbare René Russo oder die Ulknudel Diane Keaton scheinen dieses Jahr jedoch gänzlich zu fehlen. Männlich und mächtig scheint die Devise. Aber auch dieses Jahr gibt es bestimmt wieder beeindruckende Filme zu entdecken, wenn man die Mühe nicht scheut, sich durch die Goldenen Augen zu graben.

ZUM INHALT DES VIDEOS

In einem Werkbeschrieb fasste Rhea Plangg es wie folgt zusammen: „Die Videophilosophen setzen sich mit verschiedenen fundamentalen Elementen des Kinos auseinander: Etwa mit der Funktion des ‚Helden/Antihelden’ als Spiegel der Gesellschaft (Liam Neeson); mit der ‚Schönheit’, die wider Erwarten – und im Gegensatz zur ‚glamouresken’ Plastikwelt der zeitgenössischen Fetische – mit „kindness“ gleichgesetzt wird (Rene Russo); mit der „Ambivalenz der Schönheit“, die die baskischen Autoren Jon Garaño und Jose Mari Goenaga in ‚Blumen’ versinnbildlichen. Diese dienen in ihrem Film „Loreak“ als Kristallisationspunkt gesellschaftlicher Ambiguität sowie dem Unvermögen diese verbal zu kommunizieren.“

The Horror Of Our Film Is That We Are Worried About the Wrong Things from valeriethurner on Vimeo.

Filme mit 30 Millionen Budgets haben keine Chance mehr

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Artikel erschien am 26. September 2013 auf Westnetz.ch

Karl Spoerri, Co-Direktor des Zurich Film Festival über die Zukunft des Films

Wenn Hollywood Stars, Lokalprominenz und die Arthouse Szene aus dem „Foifi“ gemeinsam über den grünen Teppich defilieren, ist es wieder soweit: Das Zurich Film Festival öffnet seine Tore. Karl Spoerri, künstlerischer Leiter des ZFF erklärt, warum er das Arthouse Kino braucht, wie er Stars nach Zürich bringt und was er von Niki Lauda lernt.

Karl Spoerri, Herzstück des Zurich Film Festival sind die vier Wettbewerbe mit Arthouse Filmen von Nachwuchsregisseuren; Erstlingswerke, Zweit- oder Dritt-Regie Was bringt uns Arthouse Kino, was Hollywood Studio Produktionen nicht haben?

Das Arthouse Kino – oder Independent Film – hat eine klare Identität, der Regisseur oder Autorenfilmer prägt die Geschichte. Somit ist der Arthouse Film stärker von Klischees entrümpelt, und die Filme sind weniger vorhersehbar als die meisten klassischen Studiofilme. Er bietet mir Einblick in eine subjektiv motivierte Story. Ich spüre weniger das Konzept und die Verkaufsstrategie eines Studios.

Nicht nur in den USA ist es schlecht um das Arthouse bestellt. Wird dieses Kino eines Tages verschwinden?

Es gibt zwei mögliche Szenarien. Ersteres ist eher düster: Das Kino wird verschwinden, was aber damit zusammenhängt, dass sich die Kinobetreiber nicht vom Fleck bewegen. Und die Gestaltungsmöglichkeiten eines Kinoerlebnisses nicht an den Zeitgeist anpassen. Kino ist heute vor allem für ein älteres Publikum attraktiv. Die 68er kommen jetzt ins Rentneralter. Es ist die erste Generation, für die das Kino der Lebensmittelpunkt gewesen ist. Nicht das Theater oder die Oper, wie die Generationen vorher. Und das ist ein Zielpublikum, das man jetzt verstärkt ansprechen muss. Das Arthouse Kino kann diese Funktion erfüllen. Die ganzen Multiplex Kinos aus den Neunzigern wurden für Teenager gebaut. Die Teenies haben zwar Interesse am Kino aber in Konkurrenz zu vielen anderen Freizeit-Angeboten. In den USA ist der klassische Independent Film tatsächlich im Begriff aus den Kinosälen zu verschwinden. In den Neunzigern und etwa noch bis 2005 hatte man Stoffe aufwändig produziert, was man heute nicht mehr tut für eine Kinoauswertung. Nicht aufgrund mangelnden Publikumsinteresses, sondern, weil es in den Staaten sehr teuer ist, einen Film überhaupt in die Kinos zu bringen.

Dann lohnt es sich bald nicht mehr Kinofilme zu produzieren, die nicht das ganze Franchise Paket bedienen?

Um wahrgenommen zu werden, muss eine Produktion sehr viel in Marketing und Promotion investieren. Kleinere Filme mit einem Budget zwischen 15 bis 20 Millionen Dollar und einem Marketing in nochmals diesem Bereich haben tatsächlich gar keine Chancen mehr im Markt zu bestehen. Sie können neben den 200 Millionen Produktionen nicht bestehen, die mit immensem Druck und stark erhöhter Kopienanzahl auf den Markt kommen. Der Verdrängungskampf auf den Leinwänden nimmt zu. Deshalb werden Arthouse Produktionen vermehrt direkt fürs Qualitätsfernsehen produziert etwa für HBO. Das gilt aber nur für die USA. In den restlichen Weltmärkten kommen diese Filme nach wie vor in die Kinos.

Das Zurich Film Festival zeigt „Liberace“ von Steven Soderbergh als Gala Premiere. Ein Paradebeispiel für dieses Szenario.

Ja, vor zehn Jahren wäre es noch undenkbar gewesen, einen Film von Steven Soderbergh mit Stars wie Matt Damon und Michael Douglas als TV Film zu lancieren. Produzent Jerry Weintraub sagte uns letztes Jahr in Zürich, er könne diesen Film nicht für eine Kinoauswertung in den USA finanzieren. HBO sei aber dabei, die konnten das Risiko eingehen. Schliesslich war der Film ein Riesenerfolg. Bei seiner Erstausstrahlung waren 9,1 Millionen Zuschauer vor den Fernsehgeräten.Und „Liberace“ ist quotenmässig der zweitgrösste Erfolg von HBO während der letzten 10 Jahre. Das wiederum zeigt das immense Zuschauerinteresse nach qualitativen Stoffen im Qualitätsfernsehen.

Und was bleibt denn fürs Qualitätskino?

Es gibt ihn nach wie vor den klassischen Independent-Film. Aber der verlagert sich extrem in Themen, die man global verkaufen kann. Ein ganz gutes Beispiel ist da „Rush“ von Ron Howard, der Eröffnungsfilm des diesjährigen Festivals. Die Hauptproduzenten sind zwar Amerikaner, aber der Film ist so aufgestellt, dass man ihn im ganzen Rest der Welt verkaufen kann.

„Rush“ handelt von der Formel 1. Wieso haben Sie ihn als Eröffnungsfilm gewählt?

Der Film ist eine gelungene Mischung aus Independent und Studio und er vereint die besten Leute auf dem Feld: Regisseur Ron Howard und Drehbuchautor Peter Morgan. Die Musik ist von Hans Zimmer. Chefkamera macht Anthony Dod Mantle, der auch Danny Boyle Filme gedreht hat. Und dann kommt die grossartige Kombination der Schauspieler. Und zwar nicht eine so offensichtliche A-Listen Cast, sondern mit Daniel Brühl in der Rolle des Niki Lauda eher ein kommender Star mit riesigem Talent. Autorennen interessieren mich jetzt nicht, aber in Rush muss man sich auch nicht für Formel 1 interessieren. Das macht den Film für ein breites Publikum attraktiv, auch für die Cineasten, die mehr dahinter sehen. Und es ist ein Frauenfilm.

Was ist die Essenz des Films?

Die wichtigste Botschaft des Films, die mich sehr beeindruckte: Du brauchst deinen härtesten Konkurrenten, um überhaupt eine gute Leistung zu erbringen. Ohne deinen grössten Gegner bist du überhaupt nicht überlebensfähig. Das ganze spielt in den Siebzigern im Setting des goldenen Zeitalters der Formel 1. Spannend am Film ist, wie diese zwei entgegengesetzten Lebensentwürfe aufeinander prallen. Zum einen dieser fiese Streber Niki Lauda und dann der Lebemann und Frauenheld Chris Hunt. Letzterer steht für das neue Lebensgefühl der Siebziger Jahre: lange Haare, Sex Drugs & Rock’n’Roll. Und dieser Kampf zwischen den Gegnern findet nicht auf der Strasse mit Backsteinen statt, sondern eben auf der Rennstrecke.

Das Independent-Kino ist in Zürich im Kreis 5 zuhause. Und solche Mischformen gehören ins Beuteschema der Verleiher und Kinobetreiber im Kreis 5, namentlich Filmcoopi und das Kino Riffraff. Das Zurich Film Festival arbeitet eng mit lokalen Verleihern zusammen. Wer profitiert mehr von der Kooperation?

Ich hoffe, alle Seiten profitieren gleich stark. Der Verleih hat durch das Festival eine Plattform, seine Filme einem attraktiven Publikum vorzustellen. Er hat zudem einen medialen Auftritt und Werbung für den Film. Das ZFF hat nur schon 200 000 Programmhefte und eine Auflage von 10 000 Katalogen. Mittlerweile verzeichnen wir eine Viertelmillion Hits auf unserer Webseite. Das ist ein gutes Umfeld, um einen Film dem Publikum vorzustellen. Das Publikum vertraut uns, dass wir interessante Produktionen auswählen. Und der Stempel ZFF ist attraktiv für die Kinoauswertung danach. Und für das Festival ist klar, was wir profitieren, wir möchten die guten Filme des Kinoherbstes. Es ist ein Geben und Nehmen, und für beide eine Win-win-Situation. Sonst würde das auch nicht über so viele Jahre gut funktionieren.

Um für eine internationale Branche wirklich relevant zu sein, braucht ein Festival einen Markt. Das Zurich Film Festival hat eine Filmboutique und organisiert eine Branchentagung das „Film Finance Forum“. Kaufen Verleiher am ZFF Wettbewerbsfilme ein?

Ja klar. Wir haben zum einen die Boutique und zum andern Pick Up Veranstaltungen mit den Verleihern. Und zum anderen kaufen die Verleiher häufig Filme aus dem offiziellen Festivalprogramm oder wenn sie hören, dass wir sie programmieren.

Wettbewerbsfilm „Puppy Love“ mit Schweizer Beteiligung

Eine Teilnahme am Film Finance Forum kostet 300 Franken. Wieso so teuer?

Das Forum kostet 299.- für den ganzen Tag, man kann auch bereits ab 199.- den halben Tag (Modul A und/oder B) dabei sein. Das ist seriöses Geld aber diese Veranstaltung kostet sehr viel. Wir haben über 30 Referenten, welche aus der ganzen Welt anreisen, Technik und Event-Kosten. Obwohl uns das Hotel Dolder sehr unter die Arme greift, sind solche Preise nicht vermeidbar. In dem Preis ist übrigens auch ein Mittagessen sowie Kaffee und Getränke enthalten.

An Premieren zu kommen ist sehr schwer. Locarno ist dezidiert an Weltpremieren interessiert und hatte dieses Jahr über 20 Weltpremieren im Wettbewerb. Das ZFF hat dieses Jahr deren 16. Wie wichtig ist es, Weltpremieren zu haben?

Letztes Jahr hatten wir 12; wir steigern uns immer ein wenig. Aber für uns ist ganz klar: Wir wählen einen Film nicht aus, weil er eine Weltpremiere ist, sondern weil er zu uns passt. Qualität kommt vor Premierenstatus. Das reguläre Publikum sowie die Branche haben nichts davon, wenn wir uns damit brüsten, 50 Weltpremieren zu haben. Das ist noch keine Kunst, die Kunst ist 50 Weltpremieren zu haben, wie es Toronto hat. Das ist aber im Moment nicht unser primäres Ziel. Man muss realistisch sein. Wir kommen so langsam auf den Markt und haben eine gute Zusammenarbeit mit San Sebastian und eben Toronto.

Hat sich der deutschsprachige Wettbewerb in diesem 4. Jahr bereits qualitativ etabliert?

Man muss dem etwas Zeit geben. Dieses Jahr ist der deutschsprachige Dokumentarfilmwettbewerb mit sieben Weltpremieren und einer Internationalen Premiere sehr stark. Da sind wir jetzt da, wo wir hin wollten. Ich ziehe ein sehr positives Fazit, aber es besteht noch Entwicklungspotenzial.

Das Medienecho durch grosse Hollywood Stars ist ein Markenzeichen des Zurich Film Festival. Die Internationalen Gäste scheinen sich hier wohl zu fühlen, während man hier oft hört, das Festival sei so unterkühlt, wie die Stadt Zürich selbst. Wieso diese Diskrepanz in der Wahrnehmung?

Es ist leider eine Schweizer Krankheit, dass wir Mühe haben, uns über die Veranstaltungen in der eigenen Stadt zu erfreuen, dass man sich gegenseitig von Kanton zu Kanton so Klischees vorhält, das ist sehr provinziell und lächerlich. Und das andere ist: Die Leute aus dem Ausland erleben es ganz anders, die kommen ja immer wieder, und das ist ja der Beweis, dass es ihnen gefällt. Wir haben diverse Leute aus der Branche, die weite Reisen auf sich nehmen, um an unser Festival zu reisen. Sie mögen, das Dörfliche ums Bellevue. Es ist ein Festival der kurzen Wege. Was man auch mal sagen muss, wir haben ein sensationelles Publikum mit überdurchschnittlichem Geschmack und Know-how. Wir zeigen in Zürich Gott sei Dank nach wie vor Filme in Originalfassungen. Während das in andern Ländern längst abgeschafft worden ist. In der Schweiz gibt es glücklicherweise eine grosse Lobby.

Sundance Abräumer im Wettbewerb „Fruitvale Station“

Warum belohnt man dann das Publikum nicht mit einem günstigeren Ticket als für eine reguläre Filmvorstellung?

Der Ticketpreis muss teurer sein, weil wir uns ja irgendwie auch finanzieren müssen. Wir haben 450 Gäste aus dem Ausland. Und wir haben einen immensen Aufwand. Und die Ticketeinnahmen sind ein wichtiger Finanzierungsposten. Und in Zürich können die Leute sich einen Kino Eintritt leisten. Nicht wie in anderen Ländern. Die Kollegen des ältesten Filmfestivals in Kolumbien haben den Eintritt freigegeben, weil sich die Leute sich dort einfach keine Tickets leisten können.

Mit Harvey Weinstein konnten sie den einflussreichsten Produzenten des New Hollywood ans Festival holen. Wie hartnäckig muss man da dran bleiben, um an solche Grössen zu kommen?

Es gibt Leute in meiner Liste – und diese ist lang – die habe ich bestimmt schon acht oder neun Mal erfolglos eingeladen. Bei denen klappt es dann vielleicht erst im 14. Festivaljahr. Es gehört auch Glück dazu, das Timing muss stimmen. Harvey Weinstein ist gerade in Europa und so hat es gepasst.

Wie schafft es das ZFF, dass vor lauter Stars die Aufmerksamkeit für die Regisseure der Wettbewerbe nicht verloren geht? Und der Austausch zwischen dem Programm Team und den Wettbewerbsteilnehmer stattfinden kann?

Gottseidank haben wir ein grosses Team und mehr als 280 Volontäre und 40 Gästebetreuer. Die Regisseure im Wettbewerb haben ja das große Glück, dass sie ein Film mitbringen und das Interesse von Branche und Publikum im Wettbewerb sehr hoch ist.

Aber ich weiss, dass schon enttäuschte Regisseure wieder abgereist sind, ohne mit Ihnen persönlich reden zu können. Dieses Jahr gibt es zum ersten Mal einen Treatment Wettbewerb. Was ist das Ziel?

Die sind im Kontext der Masterclass heraus entstanden. In diesem Workshop für Nachwuchsregisseure gibt es einen Script Day, wo es hauptsächlich um Drehbuch geht. Daraus ist dann in Zusammenarbeit mit dem SRF die Idee eines Wettbewerbs entstanden. In der Schweiz ist es nach wie vor leider nicht so attraktiv Autor zu werden, und wir wollten mit diesem Treatment Wettbewerb eine Möglichkeit schaffen, neue Nachwuchsautoren motivieren zu schreiben. Mit der konkreten Chance für eine Realisation, einen Fernsehfilm oder eine Koproduktion mit dem SRF. Wir hatten 56 qualitativ hochwertige Treatments erhalten.

Dieses Jahr ist das ZFF zum ersten Mal in der Success Liste des BAK. Da sind sämtliche Festivals aufgelistet, die Punkte verteilen für die erfolgsabhängige Filmförderung. Hat sich das bereits ausbezahlt durch mehr Schweizer Filme im Programm?

Die Filmemacher kommen auch ohne Success Liste zu uns. Das ist nicht das einzige Kriterium. Aber ich glaube schon, dass es einen positiven Einfluss auf die Programation hat. Ich persönlich halte nichts von dieser Success Liste.

Warum nicht?

Ich finde diese Art der Filmförderung fragwürdig, weil sie falsche Anreize schafft. Wenn der Glaube ans eigene Produkt so klein ist, dass man noch durch diese minimalen Anreize wie Success Punkte Produzenten und Verleiher zu begeistern versucht, ist das doch schon fast ein wenig eine Bankrotterklärung des Schweizer Films. Und es macht die Leute auch abhängig, weil sie auf die Punkte starren und verhindert letztlich mehr den Mut als dass es ihn fördert. Es kam schon vor, dass wir als Festival mehr an den Film glaubten als die Produktion selber. Solche Anreize klingen zu Beginn sehr vielversprechend, aber irgendwann rächen sie sich, indem sie ein latentes Abhängigkeitssystem fördern, das nicht befruchtend ist.

Die Sprachenvielfalt ist manchmal komplex für den Schweizer Filmstandort. Ist es für einen welschen Filmemacher realistisch, in den Wettbewerb des ZFF zu gelangen?

Ja klar.

Lionel Baiers neuer Film startet demnächst in den Deutschschweizer Kinos. Warum ist der jetzt zum Beispiel nicht am ZFF?

Der hatte erstens Premiere in Locarno, und wir wollen Schweizer Premieren. Und er hatte in der Romandie bereits seinen Kinostart. Und da wird es kompliziert, wenn die Sprachregionen z unterschiedlichen Daten ihren Start ansetzen.Wir haben aber auch Filme mit welscher Beteiligung im Programm. Puppy Love. Left Foot – Right Foot als Special Screening. Wir sind sehr daran interessiert Filme aus der Romandie zu programmieren. Es gibt keinen Röschtigraben.

Jedes Jahr hat das ZFF einen Länderfokus. Dieses Jahr ist es Brasilien. Was macht Brasilien einzigartig und warum ist es dieses Jahr an der Reihe?

Brasilien hat einen sehr grossen Output an interessanten Produktionen und eine lebendige Filmszene, die das Publikum hierzulande noch nicht so kennt und bei uns entdecken kann. Und zusammen mit einem Kurzfilm Block bietet die Neue Welt Sicht eine sehr schöne Übersicht, was das Brasilianische Kino im Moment zu bieten hat. Dieses Jahr ist das perfekte Timing. Denn nächstes Jahr wird Brasilien eh im Fokus sein wegen der Fussball WM und übernächstes Jahr wegen der Olympiade. Dann haben die Leute im September jeweils schon genug von Brasilien. So kam eigentlich nur dieses Jahr in Frage.

Hauptsponsor ist die Fifa. Hatte die Fifa thematische oder anderweitige Bedingungen ans ZFF gestellt für diese Kooperation wie zum Beispiel Fussballfilme zu setzen?

Nein, das Programm stand eigentlich schon fest, als wir auf die Fifa zugingen. Fussball ist mit Brasilien so eng verknüpft wie etwa Musik und Carneval. Das Lebensgefühl Fussball ist gar nicht wegzudenken. Für sie ist es natürlich auch ein perfektes Timing, um schon jetzt die Plattform des Festivals zu nutzen, um auf die WM nächstes Jahr hinzuweisen.

Der Fifa wird öfter unsaubere Geschäfte vorgeworfen. Ist das Zurich Film Festival noch nicht mit empörten Stimmen betreffend dieser Kooperation konfrontiert worden.

Wir sind bisher noch nicht angegriffen worden, aber das kommt bestimmt noch. Als Festival braucht man Geld. Und das generieren wir auch mit Firmen, mit denen andere vielleicht ein Problem haben. Darauf wollen und können wir keine Rücksicht nehmen. Für uns ist wichtig, dass wir unser Programm umsetzen können. Die Firmen nutzen diese Plattform für ihre Markenpräsenz und Kundenanlässe, das ist auch gut und wir sind dankbar für diese Zusammenarbeit.

Vor drei Jahren sagten sie gegenüber den Medien, bis 2020 soll das Zurich Film Festival nach der Berlinale das zweit wichtigste Festival im deutschsprachigen Raum sein. Unter Ihrem Nachfolger.

Ja, unter meinem Nachfolger, das ist wichtig. (lacht). Man muss das ZFF sehr gut entwickeln und aufbauen, aber irgendwann muss dann jemand mit neuen Energien und Ideen nachziehen, mit Vorteil aus der Firma heraus. Ich möchte nicht derjenige sein, der mit 70 als antiquierte graue Eminenz das ganze Entwicklungspotenzial eines Festivals blockiert. Und wir sind dem Ziel einen erheblichen Schritt näher gekommen. Sowohl von der Wahrnehmung, den Möglichkeiten, von dem, was wir bieten können. Wenn wir es mit München und Hamburg vergleichen. Es geht darum es weiterzuentwickeln.

Das Budget steigt jährlich um etwa 400 000 Franken. Besteht da nicht die Gefahr, dass bei steigendem Wachstum an den begehrten Parties bald nur noch Sponsoren und Promis hat und die anderen aus feuerpolizeilichen Gründen draussen bleiben müssen?

Keine Angst – noch haben wir genug Platz auch andere Gäste und Freunde einzuladen.